Ü b e r - Leben


In sechs besonderen Lesungen werden Texte vorgestellt, die über Leben, vom Überleben, außergewöhnliche Momente und Geschichten erzählen.
Es sind keine klassischen Lesungen mit Tisch, Stuhl, Text und Schauspieler – es sind kleine Schmuckstücke.

 

Neben dem großen gemeinsamen Thema, steht jede Lesung unter einem eigenen Motto.

 

Das Format der Lesereihe erstreckt sich vom Monologstück über musikalisch begleitete Abende und mit Bildern zum Leben erweckten Texten bis hin zur heiteren Geschichte von zwei merkwürdigen Männern, die sich ihren Platz in dieser chaotischen Welt suchen.

 

 

 

Gesamtleitung und Einrichtung: René Rothe

Dramaturgische Betreuung: Paul Voigt
Gestaltung der Plakate: Dominik Weinmann

 

 

Eine Koproduktion von:

Kulturzentrum Giesinger Bahnhof München und 

Ensemble La Vie e.V., München, gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München

 

Kartenpreis: 10,00 EUR

 

Spielort: Giesinger Bahnhof, Giesinger Bahnhofplatz 1, 81539 München

 

Kartenreservierung: reservierung@giesinger-bahnhof.de I Tel.: 089-18 91 07 88 I www.giesinger-bahnhof.de

 


 

Hanna klärt uns über Drogen auf. Denn Drogen sind nicht reserviert für Loser und Spinner.

 

Schon Seneca, Hannas philosophischer Gewährsmann, sagt: "Nur Kleinmütige und Schwächlinge wählen den sicheren Pfad. Der Held geht über Gipfel."

 

Hanna ist Hausfrau, Mutter eines siebenjährigen Sohnes. Die Ehe mit ihrem Mann, leitender Ingenieur in den Aluminiumwerken, funktioniert reibungslos.

Obwohl die Schulden für das Eigenheim noch nicht abgetragen sind, drängt der Mann auf ein zweites Kind. Hanna kann schon den weichlichen Sohn manchmal kaum ertragen. Eine innere Unruhe treibt sie um.

 

 

Was ist meine Sehnsucht, was meine tiefste Angst? Hanna ist eine intelligente Frau von 32 Jahren.

Sie will die innere Kluft zu ihrer Familie mit Liebe füllen. Eine Tür versperrt den Weg zu sich selbst, aber Hanna hält den Schlüssel in der Hand. Das macht sie stark und unter Drogen sogar glücklich.

Inzwischen ist Hanna ungewollt schwanger – von ihrem angolanischen Dealer. Sie steigert sich hinein in eine Welt düsterer Visionen. Aber Hanna weiß sich auf dem richtigen Weg...


 

Eine Hochzeit im italienischen Küstenort Gorino.

Ninon, die Braut, weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat – und trotzdem heiraten sie und ihr geliebter Gino. Der Vater der Braut reist mit dem Motorrad aus Frankreich an, die Mutter kommt aus Bratislava.

 

Reisen, in denen sich Erinnerungen, Gegenwart und die nahende tragische Zukunft zu einem einfühlsamen poetischen Roman verbinden.

 

Und eine Liebesgeschichte, die auf Ninons Hochzeitsfeier in ihrem ekstatischen Tanz mündet...


Für die junge Balletttänzerin Eva Martin bricht die Welt zusammen, als sie die Diagnose erfährt: Krebs!

 

In der Strahlenklinik muss sie das Zimmer mit einer jungen Frau teilen, die in allem ihr Gegenbild zu sein scheint: frech, selbstbewusst und ungebildet.

Aber dann beginnt eine Freundschaft von ungewöhnlicher Tiefe...

 

Authentisch bis in die Details und mit atemberaubender psychologischer Spannung durchleuchtet dieser Roman alle Phasen einer Krebserkrankung und -therapie.

 

Er enthält Einsichten über die Entstehung und den Umgang mit dieser Krankheit, die in dieser Schärfe nie zuvor artikuliert wurden...

 


Der Mut eines Kindes zu überleben.

"Als ein Kind, das in einer dunklen Welt lebte, fürchtete ich um mein Leben und dachte, ich wäre allein. Heute, als Erwachsener, weiß ich, dass ich es nicht war.
Es gibt tausende anderer misshandelter Kinder."

 

Dave wird in Kalifornien geboren und wächst zunächst ganz normal mit seinen beiden Brüdern auf.
Als er etwa fünf Jahre alt ist, beginnt seine Mutter, ihn unangemessen hart zu bestrafen – teilweise für Vergehen, die er gar nicht begangen hat.

 

Je älter Dave wird, desto schlimmer wird es. Seine Eltern trinken häufig Alkohol, seine Mutter reagiert sich an ihm ab. Er muss nicht nur Schläge erdulden, sondern wird auch aus dem Kinderzimmer ausquartiert und muss fortan im Keller auf einer Pritsche schlafen.

 

Es macht seiner Mutter Spaß, ihm kein Essen zu geben. Dave hungert, meist bekommt er alle drei Tage etwas zu essen. Seine Mutter legt ihn in eiskaltes Wasser in die Badewanne und dort muss er stundenlang bleiben. Mehr als einmal schlägt sie ihn fast tot.

 

Mit dreizehn Jahren wird er endlich gerettet. Mehrere Lehrer seiner Schule setzen ihren Job aufs Spiel und rufen die Polizei. Endlich hat das Martyrium für Dave ein Ende. Doch die Erinnerung bleibt, und aus diesem Grund hat er dieses Buch geschrieben.

 


Ein letztes Schachspiel mit Herrn Jules

 

Alice und Jules, ein altes Ehepaar, haben ein morgendliches Ritual – und auch an diesem Wintermorgen wird Alice geweckt von dem Duft des Kaffees, den Jules schon zubereitet hat.

Doch als sie zu ihm ins Wohnzimmer kommt, sitzt Jules tot auf dem Sofa. Da beschließt Alice, diesen Tag noch mit ihrem toten Mann zu verbringen, denn es gibt das eine oder andere, was sie mit ihm zu klären hat und worüber nie gesprochen werden konnte.

 

Wie immer kommt um zehn Uhr der kleine autistische Nachbarsjunge David, um seine übliche Partie Schach mit Jules zu spielen.

Am Ende muss David sogar die Nacht bei Alice verbringen, eine ganz unvorstellbare Komplikation. Doch David reagiert ganz anders, als Alice befürchtet hatte, ja er überrascht sie sogar.

 

Diane Broeckhovens Novelle über Alice und Jules
und über David und Alice ist eine dichte, ergreifende, wunderbar feine Geschichte über Rituale, Liebe, Verrat und Verlust, einen Verlust, der am Ende auf wunderliche Weise ausgeglichen wird.

 


 

Nach dem Roman "Blutsbrüder" von Ingvar Ambjørnsen

 

Das Leben kann sehr leicht wie ein Hürdenlauf wirken, wenn es Mut erfordert, ans Telefon zu gehen oder ein Restaurant zu durchqueren.
Für Elling und seinen Freund Kjell Bjarne sind die alltäglichen Probleme, mit denen sie nach der Entlassung aus der psychiatrischen Klinik konfrontiert werden, eine echte Herausforderung. Elling, der sich selbst als Muttersöhnchen bezeichnet, neigt zu Übertreibungen jeder Art, ist besserwisserisch, eigenwillig und dabei sehr, sehr ängstlich. Selbst ein klingendes Telefon empfindet er schon als Bedrohung, gegen die er sich zur Wehr setzen muss. Sein bäriger "Blutsbruder" Kjell Bjarne verfolgt mit stoischer Hartnäckigkeit die zwei großen Interessen seines Lebens: Essen und (endlich!) Sex mit einer Frau haben. In schwierigen Situationen – und davon gibt es täglich mehr als genug – neigt er dazu, seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Sonst ist er sehr gutmütig und ein echter Kumpel.

 

Um die beiden neurotischen Helden wieder in die "normale" Gesellschaft einzugliedern, stellt ihnen
der norwegische Staat eine Wohnung und den Sozialarbeiter Frank, der ihnen mühsam ein paar Regeln beibringt: telefonieren, einkaufen, ausgehen. Nach anfänglichen Katastrophen, astronomisch hohen Rechnungen für Telefonsexanrufe (schließlich muss man das Gelernte anwenden) und einigen emotionalen Krisen, entwickeln die beiden aber tatsächlich Spaß am Leben "draußen". Als Kjell Bjarne endlich eine Frau kennen lernt – sie fällt ihm am Weihnachtsabend sturzbetrunken und hochschwanger vor die Füße – entdeckt Elling seine Liebe zur Poesie und verfasst eigene Gedichte, die er – anonym natürlich – in Supermärkte einschmuggelt und in Sauerkrautverpackungen versteckt.

 

Elling ruft durchaus Assoziationen an "Forest Gump", "Rain Man" und "Einer flog über das Kuckucksnest" wach, doch das Stück vermeidet konsequent alle auftretenden Pfade der Nervenheil-Dramaturgien.
Die Art, in der Elling über die Wechselfälle des Lebens und den Zustand unserer modernen Welt philosophiert, ist von unbestechlichem Charme, hat Intelligenz, Witz und zeugt von einem scharfsichtigen Durchblick, den man diesem unheroischen Helden zunächst gar nicht zutraut.
Über die skurrilen Probleme und Ängste, mit denen sich Elling & Partner herumschlagen, können wir herzhaft lachen, doch die Themen, die das Stück aufgreift, berühren ganz zentrale philosophische und emotionale Fragen unserer Existenz. Wie oft sind die "echten" Katastrophen die inneren Krisen – und nicht die äußeren Umstände?
Neben vielen anderen Einsichten vermittelt Elling einen wichtigen Gedanken: Die größte Herausforderung liegt im Wagnis, sich der Welt zu stellen.